Seit gut einem Jahr gehen weltweit Menschen auf die Straße, um friedlich für das Klima zu protestieren. Inzwischen sind es nicht mehr nur die Schülerinnen und Schüler der FridaysForFuture, sondern auch Unternehmen, Künstler, Wissenschaftler und viele andere Gesellschaftsgruppen, die mehr Klimaschutz fordern.
Auch der globale Bankensektor scheint sich seiner Verantwortung, zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme beizutragen, immer mehr bewusst zu werden. Diese Verantwortung zeigt sich jetzt in New York: Dutzende Banken aus der ganzen Welt versammeln sich dort, um die UN Principles for Responsible Banking zu unterzeichnen und versprechen, ihre Geschäftsstrategien an gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimakrise und soziale Ungleichheit anzupassen.

Darüber hinaus verpflichten sich in der amerikanischen Metropole weitere Banken dazu, ihren CO2-Fußabdruck künftig mit Hilfe der PCAF-Methode zu ermitteln.
Die Triodos Bank ist eng in beide Initiativen eingebunden und hat beide mitentwickelt. Peter Blom, CEO von Europas führender Nachhaltigkeitsbank, ist in New York, um beiden Meilensteinen beizuwohnen. Wir haben im Vorfeld mit Peter über das zunehmende nachhaltige Momentum in der Welt – und insbesondere im Finanzsektor gesprochen.
In New York versammeln sich Dutzende Banken, um die UN Principles for Responsible Banking zu unterzeichnen. Auch die Zahl der Kreditinstitute, die ihre Klimaauswirkungen mit der PCAF-Methode messen, nimmt weltweit zu. Ist ein Wendepunkt im Finanzsektor erreicht?
Peter Blom: Seit dem Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 gibt es eine wachsende Dynamik im Finanzsektor. Banken und andere Finanzinstitute erkennen zunehmend an, dass sie eine große Verantwortung für die Bewältigung globaler Probleme wie der Klimakrise tragen. Diese Einsicht ist längst überfällig, denn es gibt keine Zeit mehr zu verlieren. Die Auswirkungen der Erderwärmung sind offensichtlich, und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um sie so weit wie möglich auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Ich sehe es als einen Meilenstein, dass so viele unterschiedliche Banken aus aller Welt in New York zusammenkommen.
Als die Triodos Bank vor rund 40 Jahren gegründet wurde, war sie eine der ersten nachhaltigen Banken der Welt. Heute setzen immer mehr Banken auf Nachhaltigkeit. Wie geht die Triodos Bank damit um?
Vor vierzig Jahren galten wir als Nischenbank, heute ist Nachhaltigkeit fast alltäglich. Und das ist gut so, denn nur gemeinsam können wir wirklich etwas bewirken. Die Triodos Bank hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit ein profitables Geschäftsmodell sein kann. Wir haben gezeigt, dass man eine Bank leiten kann, indem man zuerst nach den positiven Auswirkungen eines Kredits oder einer Investition auf die Menschen oder die Umwelt fragt und dann Risiko und Ertrag betrachtet. Wir machen das täglich erfolgreich, aber die Mehrheit der Banken ist noch nicht da.
Die Triodos Bank will Pionier bleiben. Deshalb werden wir uns in den kommenden Jahren auf drei strategische Themen konzentrieren: Ernährung & Landwirtschaft, Energie & Klima sowie soziale Teilhabe. Unsere Vision in diesen für die Menschheit so wichtigen Bereichen haben wir bereits veröffentlicht – oder werden es noch zeitnah tun.
Besteht die Gefahr, dass die UN-Prinzipien für verantwortungsvolles Banking zu einer Verpflichtung auf dem Papier werden, die Praxis aber ganz anders aussieht?
Diese Grundsätze definieren die Rolle und Verantwortung des globalen Bankensektors bezüglich zentraler und drängender gesellschaftlicher Probleme. Die mehr als hundert Banken, die sie unterzeichnet haben, verpflichten sich unter anderem zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.
Banken, die sich zu den Prinzipien bekennen, müssen ihre Interessengruppen zu den Themen der nachhaltigen Auswirkungen für die kommenden Jahre konsultieren. Die Banken werden öffentlich Ziele festlegen und über ihre Fortschritte berichten. Banken, die die Transparenzanforderungen mehrfach nicht erfüllen, keine angemessenen Ziele setzen oder Fortschritte ungenügend nachweisen, werden von der Liste der Unterzeichner gestrichen.
Es wird nicht immer einfach sein, denn viele Banken beginnen gerade erst, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Aber die UN-Prinzipien sind ein wichtiger Anfang, den die Triodos Bank uneingeschränkt unterstützt.
Die Triodos Bank hat die Banken wiederholt aufgefordert, keine fossile Energiegewinnung mehr zu finanzieren. Hat sich in diesem Gebiet etwas getan?
In New York werden wir bekannt geben, dass sich mittlerweile mehr als 50 Banken weltweit verpflichten, ihren CO2-Fußabdruck mit Hilfe der PCAF-Methode zu ermitteln. Das bedeutet, dass immer mehr Kreditinstitute die Thematik wirklich ernst nehmen. PCAF wurde 2015 in den Niederlanden gegründet, von der ASN Bank initiiert und von uns mitentwickelt. Insgesamt vierzehn niederländische Finanzinstitute haben die offene Methode inzwischen angewendet. Es ist schön zu sehen, dass PCAF international an Bedeutung gewinnt.
Kurz und knapp: Was ist unter PCAF zu verstehen?
PCAF steht für Platform for Carbon Accounting Financials und ist ein Instrument für Banken, mit dem sie die CO2-Emissionen ihrer Kredite und Investitionen ermitteln können. Gleichzeitig können sie Reduktionsziele festlegen, ihre Treibhausgasemissionen umfassender überwachen, sich mit anderen Banken vergleichen und insgesamt für mehr Transparenz sorgen.
Die Triodos Bank hat in ihrem Geschäftsbericht 2018 erstmals über ihre Klimawirkungen berichtet. Die ersten Ergebnisse zeigen unter anderem, dass wir nur einen kleinen CO2-Fußabdruck haben und zusätzlich viele CO2-Emissionen vermeiden, weil wir seit unserer Gründung ausschließlich nachhaltige Unternehmen finanzieren.
Die Dynamik in der Branche nimmt zu, mehr und mehr Banken werden nachhaltiger. Können wir uns jetzt zurücklehnen und uns entspannen?
Sicherlich nicht, denn die Branche ist insgesamt noch längst nicht da, wo sie sein könnte. Viele Banken stehen erst am Anfang des Weges, ein nachhaltiges Geschäftsmodell tatsächlich umzusetzen und ihre Geschäftsstrategien in der Gesellschaft zu verankern. Dieser Weg wird manchmal schwierig sein, aber der Finanzsektor ist in einer sehr guten Position, um zu einer nachhaltigen Welt beizutragen. Jede finanzielle Entscheidung hat eine Wirkung auf Menschen und Umwelt. Es liegt an den Banken zu entscheiden, ob diese Auswirkungen positiv oder negativ sind.

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