Wachstum, Wachstum, Wachstum – so lautet das Allheilmittel vieler Ökonomen und Politiker. Doch welche Art von Wachstum brauchen wir vor dem Hintergrund immer knapper werdender Ressourcen und eines sich aufheizenden Klimas? Können wir uns weltweites Wachstum überhaupt noch leisten?
Wachstum, Wachstum, Wachstum – so lautet das Allheilmittel vieler Ökonomen und Politiker. Doch welche Art von Wachstum brauchen wir vor dem Hintergrund immer knapper werdender Ressourcen und eines sich aufheizenden Klimas? Können wir uns weltweites Wachstum überhaupt noch leisten? Um diese Fragen ging es am dritten Abend der Fair Finance Week in Frankfurt, der von der Triodos Bank organisiert wurde.
„Wir brauchen Wirtschaftswachstum, gerade mit Blick auf das Erreichen der Klimaziele“, war Prof. Dr. Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft überzeugt, einer von fünf Podiumsteilnehmern. Auch um soziale Verwerfungen zu bekämpfen, sei weltweites Wachstum nötig. Im Kampf gegen den Klimawandel plädierte er dafür, die Standards für die deutsche Industrie im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften nicht zu sehr zu erhöhen, da sonst ganze Industrien ins Ausland wandern würden und somit Arbeitsplätze verloren gingen.
Dr. Kai Eicker-Wolf, Referatsleiter Wirtschaftspolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), hielt in seinem Impulsvortrag ebenfalls am Wachstum fest. „Um einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch anzustreben, müssen wir nicht auf Wachstum verzichten“, sagte er. Es gebe viele Bereiche, in denen klimaunschädliches Wachstum möglich sei und die darüber hinaus noch kaum ausgeschöpft würden. Beispiele dafür seien klimaeffiziente Sanierungen von maroden Schulgebäuden und allgemein Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.
Klimaschädlich schrumpfen, klimaunschädlich wachsen
Ganz anders auf das Wachstum blickte die Journalistin und Postwachstums-Expertin Christiane Kliemann. „Klimaschutz und Wachstum schließen sich aus“, argumentierte sie und verwies auf die weltweiten CO2-Emissionen, die mit steigendem Wirtschaftswachstum in der Vergangenheit ebenfalls immer zugenommen hätten. Eine Entkopplung, sprich grünes Wachstum, sei bislang nicht möglich gewesen. Laut Kliemann stehen wir im globalen Norden als Hauptverursacher des Klimawandels in der Pflicht, Wachstum in klimaschädlichen Industrien herunterzufahren und nur noch in wirklich klimafreundlichen Wirtschaftssektoren zu wachsen.

Udo Philipp knüpfte in einigen Punkten an Christiane Kliemanns Vorschläge an. „Es gibt Sektoren, in denen es kein Wachstum mehr geben sollte. Definitiv dazu zählt die Finanzindustrie“, sagte der Berater und Aufsichtsrat der Triodos Bank mit Blick auf die Finanzkrise und die klassische Finanzwelt. Gleichzeitig verwies er auf die positive Kraft des Geldes, mit der man Wachstum sinnvoll und nachhaltig steuern und somit die Welt verbessern könne.
Prof. Dr. Sascha Liebermann von der Alanus Hochschule sieht ein bedingungsloses Grundeinkommen als wichtigen Teil der Wirtschaft und Gesellschaft von morgen. Man könne darauf vertrauen, dass die Menschen auch trotz eines Grundeinkommens weiter bereit wären, sich in die Gesellschaft einzubringen. Es sei an der Zeit, dass endlich auch die Leistungen “außerhalb des klassischen Arbeitsmarktes“ honoriert würden, sagte er. Dies sei durch ein Grundeinkommen gewährleistet.
Grundeinkommen, grünes Wachstum, klassisches Wachstum oder gar kein Wachstum – wie können wir alle nachhaltiger Leben? Die Podiumsteilnehmer konnten sich dazu nicht einigen. Doch in lebhaften Diskussionen im Anschluss daran wurde im Publikum eifrig darüber debattiert.er Fair Finance Week läuft vom 13. – 17. November 2017 an unterschiedlichen Orten in der Frankfurter Innenstadt. Sie sind herzlich eingeladen vorbeizukommen!

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