Fair Finance Week Tag 4: Welche Rolle spielt Geld für unterschiedliche Aspekte unseres Lebens? Die Triodos Bank präsentiert anlässlich der Fair Finance Week fünf unterschiedliche und polarisierende Blicke auf das Zahlungsmittel.
Holger Thiesen macht nichts lieber als Gewohnheiten und Regeln auf den Kopf zu stellen und seine Mitmenschen so zum Lachen zu bringen. „Fragt beim Einkaufen nicht wie teuer etwas ist, sondern wie günstig“, rät der ehemalige Handballprofi aus Flensburg. Etwas sei folglich nicht „zu teuer“ sondern einfach „ungünstig“. Auch unseren Umgang mit Geld will Thiesen auf den Kopf stellen. „Warum sollten wir Geld nicht vorweg bedingungslos zahlen, anstatt nach einer Leistung?“, fragt er und ergänzt: „Schenkt Geld ohne Erwartungen und empfangt es ohne Schuldgefühl“.
Thiesen ist einer von fünf Referenten und Referentinnen, die am vierten Abend der Fair Finance Week auf Einladung der Triodos Bank mit rund 100 Besuchern die Bedeutung von Geld für unser Leben diskutiert haben. Weitere Gäste waren Josephine de Zwaan, Vorsitzende der SAAT-Stiftung, Reinhold Vollmer vom Lindenhof in Ober-Ramstadt, Ex-Investmentbanker Rainer Voss sowie Wolfgang Schwarzfischer, Pastor der Kirche des Nazareners in Frankfurt.
Josephine de Zwaan, die auch Aufsichtsratsvorsitzende von Fairphone ist, glaubt, Geld verdiene es, dass darüber geredet werde. De Zwaan, die eine sehr erfolgreiche Anwältin und jüngste Partnerin einer Kanzlei in den Niederlanden überhaupt war, änderte ihre Sicht auf das Zahlungsmittel als sie Mutter wurde. Sie fragte sich, welche Werte sie ihren Kindern vermitteln möchte. „Ich wollte meine Kinder zu Menschen erziehen, die sich um ihre Mitmenschen und um die Natur kümmern“, sagt sie. Geld spiele eine wichtige Rolle in unserem Leben, erklärt de Zwaan aber „nicht als Ziel, sondern als Hebel, um gesellschaftliche Änderungen zu finanzieren“. In diesem Zusammenhang sei es richtig und wichtig über Geld zu sprechen.
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„Geld ist neutral. Erst wenn Menschen sich damit beschäftigen, bekommt es einen Spin“, sagt Rainer Voss, der Protagonist aus dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Master of the Universe“. In Voss‘ Augen ist dieser „Spin“ kein guter: „Geld hat eine Fetisch-Funktion“. Studien hätten ergeben, dass alleine der Anblick von Geldscheinen Menschen zum Schummeln bringe. Kinder, die mit Münzen gespielt haben, würden sich danach weniger sozial verhalten als ihre Altersgenossen, die Knöpfe zum Spielen benutzt hatten. „Mir scheint es, dass Geld krank macht“, sagt der ehemalige Investmentbanker.
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Ein gutes Leben bedeutet für Reinhold Vollmer „sorgenfrei Teil einer sich selbst tragenden Gemeinschaft zu sein“. Geld spielt für den Landschaftsgärtner dabei zunächst keine Rolle. Vollmer und die anderen Menschen auf dem Lindenhof wollen Lebensmittel und Geld trennen. „Wir entkoppeln das Lebendige vom Wirtschaftlichen“, sagt Vollmer. Die Menschen, die sich am Lindenhof beteiligten, gestalteten ihr Leben so, dass die Bedürfnisse aller erfüllt würden. “Der Mensch, die Tier- und Pflanzenwelt, steht wieder im Mittelpunkt, nicht mehr das Geld”, ergänzt Vollmer. „Wir berechnen keinen Gegen-Realwert für Gemüse, das sich jemand nimmt. Wir verteilen alles.“ Geld solle „dem Lebendigen und dem Geistigen“ dienen, fordert er und nicht andersherum.
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„Die Bibel spricht viel über Geld“, sagt Wolfgang Schwarzfischer. Als Beispiel nennt er das Markus-Evangelium und die „Spende der armen Witwe“. Sie legt in den „Opferkasten“ des Tempels nur einen Bruchteil des Geldes hinein, das reiche Gläubige spenden – und doch sei die Qualität ihrer Gabe viel höher zu bewerten, als die der anderen. Die Reichen geben etwas von ihrem Überfluss her, die „arme Witwe“ alles, was sie besitzt. Wahrer Reichtum bedeutet loslassen zu können, sagt Schwarzfischer.
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Auch Holger Thiesen plädiert für das Loslassen: „Lebt in Unsicherheit, habt den Mut zur Freiheit. Das ist das gute Leben“, sagt der selbsternannte „Lebenslotse“, der eine Zeit lang ganz ohne Geld lebte und bis heute kein Bankkonto hat.
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Die Fair Finance Week des Fair Finance Networks Frankfurt fand dieses Jahr vom 14. bis 18. November in der Mainmetropole statt. Nachhaltigkeit, Transparenz und Finanzgeschäfte, die der Gesellschaft dienen, sind die gemeinsamen Zielsetzungen des Fair Finance Networks. Die Fair Finance Week stellt als Veranstaltungswoche ein Ergänzungsangebot zur Euro Finance Week, dem traditionellen Branchentreffen von Banken und Finanzinstituten, dar. Letzteres fand ebenfalls vom 14. bis 18. November in Frankfurt statt. Während sich die Euro Finance Week speziell an ein Fachpublikum wendete, war zur Fair Finance Week ausdrücklich alle eingeladen, an den verschiedenen Themenabenden teilzunehmen und mitzureden.

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